Unsere Reise nach Kanada
19 Tage Kanada mit dem Wohnmobil:
Von Vancouver über Vancouver Island bis in die Rocky Mountains

Anreise nach Vancouver
28.05.2023 – Von Wien nach Kanada
Unser Kanada-Abenteuer begann früh am Morgen in Wien. Bereits um 6 Uhr standen wir auf, frühstückten und machten uns anschließend auf den Weg zum Bahnhof. Mit dem Zug fuhren wir pünktlich zum Flughafen Wien Schwechat, von wo aus um 10 Uhr unser erster Flug nach Zürich startete. Nach einem kurzen Aufenthalt flogen wir weiter nach Vancouver und kamen dort gegen 15 Uhr an (in Österreich war es bereits Mitternacht).
Die Vorfreude auf die kommenden Wochen war während der gesamten Anreise riesig. Nach der Landung in Kanada fuhren wir mit dem Zug nach Richmond und gingen anschließend die letzten Minuten zu Fuß zu unserem Hotel.
Da unser Wohnmobilvermieter die Übernahme nach einem Langstreckenflug erst am nächsten Tag erlaubt, war eine Hotelübernachtung verpflichtend. So verbrachten wir unsere erste Nacht in Kanada im Abercorn Hotel in Richmond.
Das Hotel erfüllte zwar seinen Zweck, wirklich überzeugt hat es uns allerdings nicht. Es war ziemlich laut, hellhörig und für das Gebotene eher teuer. Dennoch stellte sich schon am ersten Abend dieses besondere Gefühl ein, das den Beginn einer großen Reise begleitet: die Mischung aus Vorfreude, Neugier und Spannung auf alles, was in den kommenden Wochen vor uns lag.
Nach der langen Anreise fielen wir müde, aber voller Vorfreude ins Bett. Am nächsten Tag stand schließlich die Übernahme unseres Wohnmobils auf dem Programm.
29.05.2023 – Übernahme des Wohnmobils
Nach unserem ersten Frühstück in Kanada warteten wir auf das Shuttle von Four Seasons RV Rentals, das uns nach Abbotsford brachte. Dort dauerte die Übergabe unseres Wohnmobils allerdings etwas länger als geplant, da es technische Probleme gab. Glücklicherweise sorgte die Vermietung für Kaffee und Donuts, sodass die Wartezeit deutlich angenehmer war. Als wir schließlich die Schlüssel erhielten, begann das eigentliche Roadtrip-Abenteuer endlich.

Besonders begeisterte uns gleich zu Beginn der kräftige V8-Motor unseres Wohnmobils. Der Sound zauberte uns sofort ein Grinsen ins Gesicht und weckte Vorfreude auf die vielen Kilometer, die vor uns lagen.
Anschließend erledigten wir unsere ersten Einkäufe, besorgten Lebensmittel, füllten Trinkwasser auf und richteten das Wohnmobil für die kommenden Wochen ein. Am Abend übernachteten wir in North Vancouver. Der Stellplatz in der Nähe eines Walmart war kostenlos und damit ein idealer Start in unser Wohnmobil-Abenteuer.
30.05.2023 – Erster Tag in Vancouver
Heute erkundeten wir Vancouver zum ersten Mal richtig. Mit dem Bus fuhren wir nach Downtown und entdeckten die Stadt zu Fuß.
Unser Weg führte uns zunächst nach Coal Harbour, ein elegantes Uferviertel im Stadtzentrum. Es erstreckt sich entlang des Meeresarms Burrard Inlet zwischen dem berühmten Stanley Park und dem Canada Place.

Wir spazierten weiter nach Gastown. Dort steht die berühmte Steam Clock, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Die Uhr besitzt fünf Dampfpfeifen. Alle 15 Minuten spielt sie den berühmten Westminster-Schlag und stößt dabei Dampf aus.

Anschließend gingen wir zum Vancouver Lookout und betrachteten die Umgebung aus luftiger Höhe. Bei Tim Hortons holten wir uns noch einen Veggie Wrap und einen Cappuccino, bevor wir unseren Stadtrundgang fortsetzten. Wir ließen uns durch die Innenstadt treiben und kamen schließlich im Stanley Park an, wo wir zahlreichen Gänsen begegneten.
Besonders gut gefielen uns Gastown und die entspannte Atmosphäre im Stanley Park. Ein weiteres Highlight waren für uns die Wasserflugzeuge im Hafen, die wir zuvor noch nie aus nächster Nähe gesehen hatten.
Obwohl der Tag zunächst eher bewölkt begann, setzte sich später die Sonne durch. Dadurch durften wir Vancouver von seiner schönsten Seite erleben und sammelten viele neue Eindrücke.

31.05.2023 – Mit dem Fahrrad durch den Stanley Park und weiter nach Vancouver Island
Unser letzter Vormittag in Vancouver begann aktiv. Mit dem Bus fuhren wir zu Spokes Bicycles und liehen uns Citybikes aus, um den Stanley Park ausgiebig zu erkunden.
Wir fuhren entlang der berühmten Seawall und besuchten die Totempfähle, die Statue „Girl in a Wetsuit“, den Beaver Lake und die Lost Lagoon. Gerade das Radfahren machte uns unglaublich viel Spaß, weil wir auf diese Weise große Teile des Parks bequem erkunden konnten. Wir hatten außerdem Glück mit dem Wetter: Trotz der drohenden Regenwolken blieb es trocken.

Nachdem wir die Fahrräder zurückgegeben hatten, nahmen wir den Bus zurück zu unserem Wohnmobil. Von dort aus setzten wir unsere Reise zunächst in Richtung Lighthouse Park fort. Anschließend fuhren wir zur Fähre in Horseshoe Bay, mit welcher wir nach Nanaimo auf Vancouver Island übersetzten.
Zum ersten Mal fuhren wir mit einem Wohnmobil auf einer Fähre – ein besonderes Erlebnis für uns. Nach der Überfahrt fuhren wir noch bis Chemainus weiter, wo wir die Nacht verbrachten.

Vancouver Island
01.06.2023 – Wandbilder in Chemainus und ein Kolibri in Victoria
Den Tag begannen wir gemütlich in Chemainus. Die kleine Stadt ist für ihre Wandgemälde bekannt. Wir spazierten zu Fuß durch die Straßen, um möglichst viele davon zu entdecken. Insgesamt gibt es 39 „Murals“, die die Geschichte der Region erzählen.

Als wir eigentlich zum Wohnmobil zurückgehen und unsere Fahrt fortsetzen wollten, wurden wir noch von zwei netten Damen in das örtliche Heimatmuseum gelockt. Der ungeplante Besuch lohnte sich aber, denn es war wirklich spannend zu erfahren, wie sich Chemainus von einer rauen Holzfällersiedlung zu einer berühmten Wandgemälde-Stadt entwickelt hatte. Danach setzten wir unsere Reise fort und fuhren in die Provinzhauptstadt Victoria.
Dort parkten wir unser Wohnmobil in Strandnähe und erkundeten die Stadt zu Fuß. Unser Weg führte uns durch die Innenstadt, die Altstadt und Chinatown. Zwischendurch legten wir bei Tim Hortons eine Pause ein und stärkten uns (wieder) mit Veggie Wraps.
Am Nachmittag spazierten wir weiter bis nach Fisherman's Wharf. Dort gelang uns etwas ganz Besonderes: Zum ersten Mal in unserem Leben sahen wir einen Kolibri in freier Wildbahn und konnten ihn fotografieren.

Nach vielen Kilometern zu Fuß und zahlreichen Fotos fuhren wir am Abend zum Campingplatz Malahat Mountain Meadows. Wir waren zwar ziemlich müde, aber auch glücklich über die vielen Eindrücke.
02.06.2023 – Die lange Fahrt nach Ucluelet
An diesem Tag stand eine lange Fahrt auf dem Programm. Vom Campingplatz in Malahat machten wir uns auf den Weg nach Ucluelet und durchquerten dabei einen großen Teil von Vancouver Island.
Unterwegs machten wir bei „Coombs Country Candy“ Halt und gönnten uns Schokolade sowie Cookie-Monster-Eis. Die Strecke zog sich länger als erwartet, aber die Landschaft entlang der Route war wunderschön.
Am Abend parkten wir in Ucluelet und kochten uns zunächst Wraps 😊. Danach spazierten wir noch durch den Ort.
Der Abend entschädigte uns schließlich für die lange Autofahrt. Im Alder Park konnten wir mehrere Adler beobachten und entdeckten sogar einen Otter. Solche Tierbegegnungen gehören für uns zu den schönsten Erinnerungen der Reise.
03.06.2023 – Ein Tag in Tofino
Wir fuhren von Ucluelet nach Tofino und parkten unser Wohnmobil auf einem Parkplatz nahe dem South Chesterman Beach. Von dort machten wir uns zu Fuß auf den Weg in den Ort. Das Wetter war leider eher durchwachsen und zwischendurch nieselte es sogar leicht.
Auf dem Pacific Rim Highway holten wir uns bei Beaches Grocery noch einen Kaffee und kauften einige Lebensmittel ein. Nach etwa 40 Minuten Fußweg erreichten wir schließlich die Surfhauptstadt Kanadas.
Unser erster Stopp war Jamie's Whaling Station. Eigentlich wollten wir von Tofino aus zu einer Whale-Watching-Tour aufbrechen, doch leider waren alle für uns infrage kommenden Termine bereits ausgebucht. Nach längerem Überlegen entschieden wir uns daher spontan für eine Tour, die am nächsten Tag in Ucluelet startete. Diese buchten wir allerdings online.
Anschließend erkundeten wir Tofino, bummelten durch kleine Geschäfte, kauften Souvenirs und besuchten den Tonquin Beach. Zwischendurch stärkten wir uns mit Pommes für uns beide und Fish & Chips für Bianca.

Besonders gefielen uns die entspannte Atmosphäre, die vielen glücklichen Menschen, die kleinen Geschäfte und die traumhafte Lage direkt am Meer. Neben zahlreichen Adlern entdeckten wir auch einige wunderschöne Küstenabschnitte.
Eines unserer Lieblingszitate der Reise stammte ebenfalls aus Tofino. Als wir bei Jamie’s den Plüschwal „Toffie“ kauften, ohne eine Tour in Tofino zu buchen, meinte die Verkäuferin lachend:
"At least you have a whale!"
04.06.2023 – Whale Watching und uralte Zedern
Heute fand unsere Whale-Watching-Tour statt. Früh am Morgen spazierten wir vom Campingplatz in Ucluelet zu Jamie's Whaling Station und gingen an Bord.
Auch wenn wir an diesem Tag leider keine Wale sahen, lohnte sich die Tour trotzdem. Stattdessen konnten wir zahlreiche Seeotter, Robben und kalifornische Seelöwen beobachten. Vor allem die Seeotter begeisterten uns.
Den restlichen Tag verbrachten wir in Ucluelet. Wir spazierten durch den Ort, machten Fotos und stöberten in einigen Geschäften.
Am Abend folgten wir zunächst dem Lighthouse Loop am Wild Pacific Trail. Gegen Ende der Wanderung wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt. Anschließend entdeckten wir noch den Ancient Cedars Loop. Die gewaltigen Zedern waren beeindruckend und zeigten uns, wie alt und ursprünglich die Wälder an der Pazifikküste sind.

05.06.2023 – Abschied von Vancouver Island
Heute verließen wir Vancouver Island wieder. Auf dem Weg zur Fähre legten wir noch einen Stopp beim Giant Cedar Trail ein. Die namensgebenden Bäume beeindruckten uns zwar weniger als erwartet, die riesigen Farne entlang des Weges gefielen uns dafür umso besser (Jurrasic-Park-Feeling).
Mit Kaffee und Muffins gestärkt, fuhren wir anschließend mit der Fähre zurück aufs Festland. Während der Überfahrt nutzten wir die Zeit, um unser Reisetagebuch fortzuführen.
Da unser nächstes großes Ziel Jasper war, versuchten wir, möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Deshalb fuhren wir noch ca. 2 Stunden bis Hope und übernachteten dort auf einem Parkplatz gemeinsam mit anderen Wohnmobilen, Vans und Trucks.
Der Tag war nicht sehr aufregend, da wir sehr viel Zeit auf den Straßen verbrachten. Immerhin kochte Bianca noch ein ausgezeichnetes Abendessen mit Spaghetti, Mais, Paprika, Zwiebeln und Avocado.
Leider war die Nacht alles andere als erholsam. Ein Truck ließ die ganze Nacht einen Generator laufen, sodass wir kaum schlafen konnten.
Am nächsten Morgen begann dann die lange Fahrt in Richtung Jasper.

Durch die Rockies nach Jasper
06.06.2023 – Die lange Fahrt nach Jasper
Nach der eher unruhigen Nacht in Hope klingelte unser Wecker früh. Zum Frühstück gab es Muffins, danach versorgten wir uns bei Tim Hortons noch mit Kaffee, bevor wir die lange Fahrt Richtung Jasper in Angriff nahmen.
Die Fahrt war für uns sehr anstrengend, denn wir waren müde von der ungemütlichen Nacht. Die Vorfreude auf die Rocky Mountains motivierte uns aber, die vielen Kilometer hinter uns zu bringen.
Nach rund acht Stunden erreichten wir schließlich Jasper. Zuerst checkten wir am Whistlers Campground ein und machten anschließend noch einen Ausflug zum Pyramid Lake. Dort konnten wir zum ersten Mal ein kanadisches Eichhörnchen sehen.
Wir hatten sogar doppeltes Glück: Wir sahen auf dem Rückweg zum Campingplatz auch noch drei Elchkühe.
Außerdem stellten wir fest, dass in Jasper eine andere Zeitzone galt und wir unsere Uhren gegenüber Vancouver um eine Stunde vorstellen mussten.
07.06.2023 – Maligne Lake und die Stadt Jasper
Den Tag begannen wir mit einem Ausflug zum Maligne Lake. Schon die Anfahrt durch die beeindruckende Berglandschaft war ein Erlebnis für sich.
Vor Ort unternahmen wir zunächst eine kleine Wanderung zum Moose Lake. Leider konnten wir dort keinen Elch entdecken, obwohl der Name des Sees große Hoffnungen geweckt hatte. Anschließend wanderten wir einen kurzen Trail direkt am Maligne Lake entlang.
Eine lustige Erinnerung blieb uns ebenfalls erhalten: Während ich (Geli) an einem besonders schönen Aussichtspunkt mein Stativ aufbaute und fotografierte, wurde ich von einem Ranger beziehungsweise Tourguide eines vorbeifahrenden Bootes lautstark des Angelns verdächtigt. Ich rief zwar zurück: „That’s just a camera!“ aber der Guide ließ sich von seiner Meinung nicht abbringen. Das war im ersten Moment etwas nervig, im Nachhinein konnten wir aber darüber lachen.
Danach fuhren wir zurück nach Jasper und reservierten die nächsten Campingplätze. Anschließend hatten wir endlich Zeit, die Stadt etwas genauer zu erkunden.
Die kleine Ortschaft lud zum gemütlichen Bummeln ein, die Menschen dort waren sehr entspannt. Besonders genießen konnten wir einen frisch gepressten Smoothie aus Orangen, Karotten und Ingwer. Endlich wieder Vitamine!
07.06.2023 – Entlang des Icefields Parkway
Am Nachmittag ließen wir Jasper hinter uns und fuhren auf den berühmten Icefields Parkway, der oft als eine der schönsten Panoramastraßen der Welt bezeichnet wird.
Unser erster Stopp war der Goats & Glacier Lookout. Schon dort waren wir von den spektakulären Ausblicken auf den Athabasca River und die umliegenden Gletscher begeistert. Außerdem entdeckten wir unser erstes kanadisches Streifenhörnchen und konnten kurz darauf auch zwei Bergziegen beobachten.
Ein weiteres Highlight waren die Sunwapta Falls. Zunächst sahen wir uns die Upper Falls an, bevor wir rund zwei Kilometer zu den Lower Falls wanderten.
Wieder zurück bei den oberen Fällen nahmen wir uns noch Zeit für einige Langzeitbelichtungen. Die Bedingungen waren perfekt und wir konnten zahlreiche Fotos machen.
Am Abend kamen wir schließlich am Honeymoon Lake Campground an. Der Campingplatz lag direkt an einem wunderschönen See und bot eine traumhafte Kulisse für den Tagesausklang.
08.06.2023 – Vom Jasper National Park in den Banff National Park
Auch heute bot der Icefields Parkway wieder zahlreiche Höhepunkte.
Wir machten an verschiedenen Aussichtspunkten Halt, darunter bei den Mushroom Peaks, dem Stutfield Glacier und den Tangle Falls.
Zu Mittag kehrten wir beim Columbia Icefield Centre ein und aßen dort Burger. Zwar überlegten wir kurz, eine der angebotenen Attraktionen zu buchen, letztlich waren uns die Preise aber zu hoch. Die Landschaft rund um das Columbia Icefield war auch ohne zusätzliche Touren beeindruckend genug.
Nach der Mittagspause fuhren wir weiter zu den Bridal Veil Falls und den Panther Falls. Beide Wasserfälle gefielen uns sehr gut und die kurzen Wanderungen dorthin lockerten die langen Fahrzeiten angenehm auf.
Im Laufe des Tages erreichten wir schließlich die Grenze zum Banff National Park. Dort hielten wir unter anderem am türkisfarbenen Coleman Creek an, um weitere Langzeitbelichtungen zu machen.
Am Abend gestaltete sich die Suche nach einem Campingplatz allerdings schwieriger als erwartet. Der Rampart Campground war bereits voll, und der Campingplatz am Waterfowl Lake war noch geschlossen. Deshalb mussten wir unsere ursprünglichen Pläne ändern und fuhren schließlich wieder zum Icefield RV Parkplatz zurück, wo wir übernachteten.
Auch wenn die Übernachtung nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach, war der Tag landschaftlich einer der beeindruckendsten der gesamten Reise. Die Kombination aus Gletschern, Wasserfällen, türkisfarbenen Flüssen und den endlosen Bergen der Rocky Mountains begeisterte uns den ganzen Tag über.
Eine besondere Begegnung
An diesem Tag hatten wir noch eine ganz besondere Begegnung.
Als wir bei einem Shop einen Zwischenstopp einlegten, begegnete uns ein Mann, der auf Englisch etwas sagte wie: „I guess there’s no food for me today.“ Im ersten Moment haben wir uns nicht viel dabei gedacht. Doch als wir wieder mit dem Wohnmobil unterwegs waren und weiter nach einem Campingplatz suchten, meinte Bianca plötzlich: „Der Arme hat wahrscheinlich nicht genug Geld, um sich etwas zu essen zu kaufen.“
Auf dem Rückweg zum Icefield RV Park sahen wir den Mann wieder. Mit seinem vollgepackten Fahrrad und einem großen Rucksack radelte er die Straße entlang. „Fragen wir ihn, ob er ein Sandwich mag?“, schlug Bianca vor.
Gesagt, getan! Wir hielten am Straßenrand an und warteten, bis er uns eingeholt hatte. Als er bei uns angekommen war, fragten wir ihn, wie es ihm gehe und ob er vielleicht ein Sandwich haben möchte.
Was er uns dann erzählte, hatten wir allerdings nicht erwartet: Er war völlig aufgebracht und berichtete, dass ihn gerade ein Bär angreifen wollte – vermutlich, weil der Bär seine Lebensmittel gerochen hatte. Zum Glück hatte er Bärenspray dabei (in Kanada definitiv keine schlechte Idee! 😉) und konnte den Bären damit vertreiben. Seine Augen waren noch ganz rot, und man merkte ihm an, wie sehr ihn die Begegnung mitgenommen hatte.
Nachdem er sich etwas beruhigt hatte, kamen wir ins Gespräch. Wir wollten natürlich wissen, woher er kam und wohin ihn seine Reise führte. Er erzählte uns, dass er aus Frankreich stammte, seine Radtour in San Francisco begonnen hatte und nun auf dem Weg nach Alaska war.
Nach einer kurzen, aber umso spannenderen Unterhaltung nahm er das Sandwich dankbar entgegen. Wir verabschiedeten uns und setzten unsere Fahrt fort – um eine außergewöhnliche Begegnung und eine Geschichte reicher, die wir so schnell nicht vergessen würden.
Banff, Lake Louise und türkisblaue Seen
09.06.2023 – Peyto Lake, Bow Lake und Emerald Lake
Nach unserer Übernachtung am Icefield RV Parkplatz machten wir uns früh am Morgen auf den Weg zum Peyto Lake. Kurz nach der Abfahrt kam uns plötzlich der Radfahrer vom Vortag entgegen. Wir winkten ihm zu, und als er uns erkannte, zeigte er uns mit einem breiten Lächeln den Daumen nach oben.
Wir freuten uns riesig, ihn wiederzusehen und zu wissen, dass es ihm gut ging. Und wer weiß – vielleicht hatte ihm unser Sandwich ja auch geschmeckt. 😊
Am Aussichtspunkt des Peyto Lake zeigte sich, warum dieser See zu den bekanntesten Fotomotiven der Rocky Mountains zählt. Das intensive Blau begeisterte uns sofort und wir konnten kaum aufhören, Fotos zu machen.
Anschließend fuhren wir weiter zum Bow Glacier Viewpoint. Von dort aus hatten wir einen großartigen Blick auf den Gletscher und die umliegenden Berggipfel. Auch beim nahegelegenen Bow Lake legten wir einen kurzen Stopp ein und genossen die Aussicht.
Im Laufe des Tages kamen wir schließlich in Lake Louise an. Dort parkten wir in der Samson Mall und stärkten uns im Trailhead Café mit Falafel-Wraps. Danach besuchten wir das Visitor Centre, um unsere weiteren Reisetage zu planen.
Zum Abschluss des Tages fuhren wir noch zum Emerald Lake im Yoho National Park. Das grünlich-türkise Wasser vor der Kulisse der Berge war ein Traum.
10.06.2023 – Wanderung zum Lake Agnes
Heute schliefen wir etwas länger und brachen erst gegen 10:30 Uhr Richtung Lake Louise auf.
Da die Parkgebühren direkt am See recht hoch waren, stellten wir unser Wohnmobil beim Fairview Lookout ab und gingen den Rest des Weges etwa 40 Minuten zu Fuß. Beim Hotel Fairmont Château gönnten wir uns Kaffee und Croissants, bevor wir den wunderschönen Lake Agnes Trail wanderten.
Unterwegs kamen wir am Mirror Lake vorbei, dessen ruhige Wasseroberfläche die umliegenden Berge wunderschön spiegelte.
Oben angekommen erreichten wir den Lake Agnes und umrundeten einen Teil des Sees. Das berühmte Tea House besuchten wir zwar kurz, aufgrund des großen Andrangs blieben wir aber nicht lange.
Auf dem Rückweg gönnten wir uns noch frischen Orangensaft und machten später viele Fotos am Lake Louise. Auch die zahlreichen Ziesel, die rund um den See unterwegs waren, erwiesen sich als dankbare Fotomotive.
Zurück am Campingplatz reservierten wir noch den Shuttle für den Moraine Lake, auf den wir uns bereits besonders freuten.
11.06.2023 – Regentag im Yoho National Park
Der Tag begann mit Regen. Da keine Wetterbesserung in Sicht war, schliefen wir aus und ließen den Morgen gemütlich angehen.
Gegen Mittag fuhren wir zur Mall, deckten uns mit Kaffee ein und machten anschließend einige Fotos am Bow River. Glücklicherweise ließ der Regen im Laufe des Tages immer weiter nach.
Später fuhren wir nach Field im Yoho National Park und besuchten dort das Visitor Centre. Anschließend besichtigten wir die Natural Bridge, wo sich der Kicking Horse River spektakulär durch die Felsen zwängt.
Weiter ging es zum Finn Creek und schließlich zu den Wapta Falls. Dort unternahmen wir eine kleine Wanderung und besuchten den imposanten Wasserfall.
Besonders freute uns, dass sich am Nachmittag doch noch die Sonne zeigte. Aus dem verregneten Tag wurde so doch noch ein sehr schöner Ausflug.
12.06.2023 – Der Moraine Lake: Höhepunkt der Reise
Heute war einer jener Tage, die wir wohl nie vergessen würden.
Am Morgen wanderten wir zunächst zum Sherbrooke Lake. Der See selbst war wunderschön und deutlich ruhiger als die bekannten Hotspots der Region.
Lange konnten wir allerdings nicht bleiben, da wir rechtzeitig unseren Shuttlebus zum Moraine Lake erreichen mussten.
Nach einer etwas längeren Wartezeit als geplant stiegen wir schließlich ein und kamen rund 20 Minuten später an. Schon beim ersten Blick auf den Moraine Lake war klar, warum dieser Ort weltweit so berühmt ist.
Das Wasser leuchtete in einem unglaublichen Blau, umgeben von den gewaltigen Gipfeln des Valley of the Ten Peaks. Wir verbrachten viele Stunden dort, fotografierten und genossen einfach die Aussicht.
Für uns wurde der Moraine Lake zu einem der schönsten Orte der gesamten Reise.
Am Abend fuhren wir zurück zum Campingplatz, kochten Nudeln und ließen den Tag draußen in unseren Campingstühlen gemütlich ausklingen. Erst als die Gelsen immer lästiger wurden, zogen wir uns wieder ins Wohnmobil zurück.
13.06.2023 – Von Lake Louise nach Banff
Nach dem Frühstück begannen wir unsere Weiterreise nach Banff.
Anstatt den Highway zu nehmen, fuhren wir über den deutlich schöneren Bow Valley Parkway. Die ruhigere Strecke ermöglichte uns viele schöne Ausblicke.
Unterwegs hielten wir beim Castle Mountain an und machten einige Fotos. Gegen Mittag checkten wir schließlich auf unserem Campingplatz in Banff ein.
Am Nachmittag nahmen wir den Bus ins Zentrum und erkundeten die Stadt. Banff gefiel uns sofort. Die Mischung aus Bergkulisse, gemütlichen Geschäften und entspannter Atmosphäre hatte einen ganz besonderen Charme.
Natürlich konnte das Shoppen nicht ausbleiben. Wir kauften Sticker, T-Shirts und Socken, außerdem nahmen wir Tee bei Banff Tea Co. mit. Zum Abschluss gab es leckeres Abendessen in der Old Spaghetti Factory.
Gerade als wir mit dem Bus zum Campingplatz zurückfuhren, begann es zu regnen. Wir hatten also perfektes Timing.
14.06.2023 – Regentag in Banff und Canmore
Auch heute machte uns das Wetter einen Strich durch die ursprünglichen Pläne. Da es nach dem Aufstehen weiterhin regnete, blieben wir zunächst im Wohnmobil und schrieben unser Reisetagebuch weiter.
Da Wandern nicht wirklich sinnvoll gewesen wäre, beschlossen wir spontan, uns Canmore anzusehen. Die kleine Stadt hat uns sehr gefallen. Unter anderem besuchten wir eine Fotoausstellung von Ken Hoehn und aßen anschließend bei Rocky Mountain Bagel Co. einen sogenannten „Eggel“, einen Bagel mit Ei und Käse, dazu tranken wir Kaffee mit Hafermilch.
Später fuhren wir zurück nach Banff und nutzten die Gelegenheit, noch einige Souvenirs und Mitbringsel zu besorgen. Auch ein Eis ließ ich (Geli) mir nicht entgehen, es musste einfach sein.
Langsam begannen wir zu realisieren, dass sich unsere Reise dem Ende näherte. Genau deshalb wünschten wir uns an diesem Abend vor allem eines: dass der Regen endlich aufhört und der Urlaub noch ein bisschen länger dauert.
Rückkehr nach Vancouver
15.06.2023 – Abschied von den Rocky Mountains
Heute begann leider der letzte volle Urlaubstag. Schon beim Aufstehen wurde uns bewusst, dass sich unsere Kanada-Reise dem Ende näherte.
Am Morgen räumten wir unser Wohnmobil auf, packten zusammen und bereiteten alles für die Rückgabe vor. Nachdem wir das Abwasser entsorgt und Frischwasser aufgefüllt hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung Vancouver.
Bevor wir Banff endgültig verließen, legten wir noch einen kurzen Stopp ein, um die verschneiten Berggipfel ein letztes Mal zu fotografieren. Die Landschaft zeigte sich noch einmal von ihrer schönsten Seite und bescherte uns einen würdigen Abschied.
Nach etwa zwei Stunden Fahrt legten wir in Golden eine Tankpause ein und weitere zwei Stunden später besuchten wir noch Revelstoke und machten einen kurzen Spaziergang durch die Stadt. Auch wenn wir an diesem Tag viele Kilometer zurücklegten, wollten wir die Rückreise nicht einfach nur absitzen, sondern die Landschaft noch möglichst lange genießen.
Am Abend hielten wir schließlich bei Three Valley Gap an. Die dortige Geisterstadt besichtigten wir zwar nur von außen, dennoch lohnte sich der Stopp und sorgte noch einmal für einige interessante Fotomotive.
Unsere letzte Nacht im Wohnmobil verbrachten wir schließlich auf dem Walmart-Parkplatz in Merritt. Zum Abschiedsessen kochte Bianca Reis mit Brokkoli, Paprika und Zwiebeln. Während wir aßen, sprachen wir bereits über die vielen Erlebnisse der vergangenen Wochen und ließen unsere persönlichen Highlights Revue passieren.
16.06.2023 – Abschied von Kanada
Heute begann unser letzter Tag in Kanada.
Nach unserem letzten Frühstück fuhren wir die verbleibenden zwei Stunden nach Abbotsford. Dort stand die Rückgabe unseres Wohnmobils auf dem Programm. Nach knapp drei Wochen fiel uns das gar nicht so leicht, schließlich war das Wohnmobil während der Reise zu unserem Zuhause geworden.
Um 12:15 Uhr brachte uns ein Shuttle zum Flughafen in Vancouver. Dort nutzten wir die verbleibende Zeit hauptsächlich zum Bummeln. Ich (Geli) nahm mir noch ein T-Shirt mit, bevor wir uns endgültig von Kanada verabschieden mussten.
Am späten Nachmittag startete unser Rückflug. Während wir am Gate und später im Flugzeug saßen, wurde uns erst richtig bewusst, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Fazit
Unsere 19-tägige Wohnmobilreise durch Westkanada ist genau die Art von Abenteuer gewesen, die wir uns erhofft haben.
Wir haben Vancouver erkundet, sind mit der Fähre nach Vancouver Island übergesetzt und haben die raue Pazifikküste rund um Ucluelet und Tofino erlebt. Wir haben Adler, Otter, Seeotter, Seelöwen, Elche, Wapitis, Bergziegen, Streifenhörnchen und sogar einen Kolibri gesehen.
Mit Jasper, dem Icefields Parkway, Lake Louise, Moraine Lake und Banff haben wir einige der schönsten Landschaften Nordamerikas besucht. Besonders die türkisfarbenen Seen, die mächtigen Gletscher und die endlosen Bergpanoramen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Natürlich hat nicht immer alles perfekt funktioniert. Es hat Regentage gegeben, Campingplätze waren voll, wir haben schlecht geschlafen und bei unserer Whale-Watching-Tour keinen einzigen Wal gesehen. Doch genau diese kleinen Geschichten gehören im Nachhinein genauso zu einer Reise dazu wie die großen Highlights.
Wenn wir heute auf die Reise zurückblicken, denken wir an unzählige schöne Momente, großartige Landschaften und das Gefühl von Freiheit, das ein Roadtrip mit dem Wohnmobil mit sich bringt.
Kanada hat uns begeistert. Und eines steht fest:
Wir kommen wieder. 🚐